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Objekt des Monats

September

Das Mass aller flüssigen Dinge

«Wer innerhalb der Kantonsgrenze mit Wein handelte, musste sich nach der Füllmenge richten, die in diesen Messbecher hineinpasst», sagt Thomas Fuchs, Kurator des Museums Herisau. Ähnlich dem Ur-Kilo in Paris, das bis 2019 das Mass aller Gewichte war, legte das Hohlmass den Messstandard von Flüssigkeiten im Kanton Appenzell Ausserrhoden fest. Auf der Aussenseite sind die Jahreszahlen 1638, 1757, 1816, 1824 und 1830 eingezeichnet. Der Messbecher wurde wahrscheinlich 1638 angefertigt und bis ins Jahr 1830 vier Mal neu geeicht. Vor der ältesten Jahreszahl befindet sich das Kürzel «VR». Es steht für «Vsser Rhoden», die alte Schreibweise von Ausserrhoden, und ist die offizielle Beglaubigung durch die Regierung. In den Messbecher passen 5,8 Deziliter, ein halbes Mass. Bis 1876 wurden Flüssigkeiten im Bodenseeraum in Saum, Eimer, Mass und Schoppen gemessen. Ein Saum entsprach vier Eimern, 128 Mass und 512 Schoppen. Damit der Messstandard eingehalten wurde, kam es regelmässig zu Kontrollen. Doch aufgepasst: Der Ausserrhoder Messbecher fasste nicht dieselbe Menge Flüssigkeit wie der Standardbecher der St. Galler oder der Konstanzer. klu

TechnikBronze, geschmiedet
Besonderheit

Offizielles und über 200 Jahre verwendetes Standardmass des Kantons Appenzell Ausserrhoden

StandortMuseum Herisau
QuelleAppenzeller Magazin, August 2022