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Objekt des Monats

April

Zuckerstock

Ernst Züst, Präsident des Museums Wolfhalden, erinnert sich noch gut an die Zuckerstöcke, die in seiner Kindheit in nahezu jedem Haushalt standen. Sie waren, da Zucker in gepresster Form besser und länger haltbar ist, in den Kriegsjahren Teil des Notvorrats. «Wenn die Mutter Beeren zu Konfitüre verarbeitete, kratzte sie die benötigte Zuckermenge einfach vom Stöckli», sagt der 89-Jährige. Ums Elternhaus wuchsen viele Johannisbeeren. «Elend saure», wie er betont. Sie für Konfi zu verwerten, kam nicht in Frage. «Das brauchte zu viel Zucker – und Zucker war, da rationiert, Mangelware.» Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand der Zuckerstock von der Bildfläche. Kristallzucker war beim Backen und Kochen einfacher zu handhaben. Der Zuckerstock im Museum Wolfhalden stammt von Hedwig Eggenberger. Die Hauswirtschaftslehrerin hat diesen und weitere historische Gegenstände des täglichen Gebrauchs dem Museum vor vierzig Jahren zur Eröffnung geschenkt. Wer heute von einem Zuckerstock spricht, meint damit feuerspeiende Vulkane. Gut möglich, dass der originale Zuckerstock Namensgeber dieser Feuerwerkskörper ist.

Datierung/TechnikZirka 80-jährig, 50 Zentimeter hoch, Kegel aus gepresstem Zucker, mit Papier umwickelt und mit Schnur gebunden.
Besonderheit

Die Verpackung ist stark vergilbt. Auf der runden Etikette finden sich Angaben zur Herstellerfirma: Raffinerie de Skrivany, Tschechoslowakei.

StandortHistorische Küche, Museum Wolfhalden
QuelleAppenzeller Magazin, Ausgabe Sept. 2020