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Objekt des Monats

Mai

Trunk aus der Tasche

Fahrradfahren macht durstig – früher wie heute. Da ist ein zusammenfaltbarer Becher für den Hosensack die praktische Lösung. Das Velo­museum Rehetobel stellt neben einer Reihe von funktionstüchtigen Fahrrädern und Hochrädern aus den beiden vergangenen Jahrhunderten auch einen solchen Becher aus. Sein ehemaliger Besitzer war der Rehetobler Gemeindehauptmann und Textilfabrikant Ferdinand Tobler (1870–1956). Im Dorf galt er als aufgeschlossen, modern und innovativ, weiss François Cauderay, Präsident des Old Bicycle Fan Clubs in Rehetobel, der das Velomuseum betreibt. Gut möglich, dass der Sackbecher auch bei den Mitgliedern des damaligen Automobil- und Veloklubs Anklang fand. Man gönnte sich hin und wieder einen guten Tropfen und konnte den handlichen Becher während Spazierfahrten gebrauchen. Ursprünglich handelte es sich um ein raffiniertes Marketingprodukt aus den Vereinigten Staaten. An der Wende zum 20. Jahrhundert wollte ein amerikanischer Fabrikant mit originellen Accessoires und dem Export nach Europa neue Märkte erschliessen. Es funktionierte: Der kunstvoll verzierte Becher war in Versandhäusern, Herrenbekleidungs­geschäften und Velogeschäften mit guter Reputation erhältlich, auch in der Stadt St.Gallen. klu

TechnikMaschinell hergestellter Becher aus vernickeltem Blech
Besonderheit

Das Modell von John Lines aus Connecticut (USA) erhielt 1897 den Patentschutz. Auf dem Deckel des Bechers ist
ein Paar auf einem Tandem-Fahrrad abgebildet. Mann wie Frau tragen Hosen.

StandortVelomuseum Rehetobel
QuelleAppenzeller Magazin, Ausgabe April 2022