September
Fotoalbum-Postkarte Schwellbrunn
Die aufwendig konstruierte Ansichtskarte aus Schwellbrunn zeigt eine junge Frau mit zwei Schwalben und ist gleichzeitig ein kleines Leporello mit acht Fotografien vom Dorf und von touristischen Betrieben: Gasthäuser Kreuz, Säntisblick, Harmonie und Hirschen sowie die Sommerwirtschaft Sitz. «Leider hat die Karte keinen Poststempel, aber sie dürfte um 1912 hergestellt worden sein», sagt Thomas Fuchs, Kurator des Museums Herisau. Diese Art Postkarte gab es auch von verschiedenen anderen Orten wie Walzenhausen oder Teufen. «Besonders bemerkenswert sind die Goldlettern auf dem kleinen Fotoalbum im Miniformat», findet der Kurator. Schwellbrunn entwickelte sich ab Mitte der 1870er-Jahren zum Luftkurort für einfache Leute: «Die meisten Gäste gehören dem Mittelstand an und müssen nicht, wie an vornehmen Kurorten, einen grossen Aufwand mit Kleidern treiben», heisst es im 1889 erschienenen Tourismusführer von Schwellbrunn. Zu den regelmässigen Gästen zählten ab 1909 die Ferienkolonien aus den Zürcher Gemeinden Adliswil, Thalwil, Höngg und Affoltern. Nach 1918 reisten Jugendlager aus der ganzen Schweiz an. Heute lässt es sich vortrefflich im Fabrikantenhaus Schwellbrunn «Ferien im Baudenkmal» verbringen und damit den Hauch einer vergangenen Zeit erhaschen!
Machart
Postkarte um 1912
Besonderheit
Ein Leporello von 54 cm Länge
Standort
Museum Herisau
September
Lebensmittelkarten
Elsa Preisig legt im Bistro des Brauchtumsmuseums Urnäsch einen Umschlag mit alten Lebensmittelkarten auf den Tisch. «Die habe ich in einer Schublade meines verstorbenen Mannes gefunden. Sie gehörten meinem Schwiegervater», sagt die 91-Jährige. «Könnt ihr sie brauchen?» Walter Frick, Kurator des Museums, begutachtet sie kurz und nickt. «Wir nehmen sie in unser Archiv», erklärt er und bedankt sich. Elsa Preisig kann sich gut an die Zeit erinnern, als während und nach dem Zweiten Weltkrieg die Lebensmittel rationiert waren. Sie war damals noch ein Schulkind. «Die Karten waren wichtiger als Geld.» Die Lebensmittelkarten wurden in der Schweiz zwischen Oktober 1939 und Sommer 1948 ausgegeben, um eine ausreichende Ernährung der Bevölkerung sicher zu stellen. Nahrungsmittel wie Butter, Milch, Zucker oder Mehl konnten nur mit den Lebensmittelmarken bezogen werden. Einmal im Monat gab die zuständige Gemeinde die Scheine heraus. «Vor dem Gemeindehaus Hundwil befand sich eine lange Bank und darauf warteten die Leute, bis sie an der Reihe waren», erzählt Elsa Preisig.
Machart
Papier, Karton
Besonderheit
überlebenswichtig
Standort
Brauchtumsmuseum Urnäsch
September
Die Klarinette von Wolfhalden
Das Museum Wolfhalden besitzt eine über 200jährige Klarinette. Sie wurde vom einheimischen Instrumentenbauer Bartholome Lutz (1756–1833) gebaut. Lutz war gelernter Tischler und begann zuerst autodidaktisch Wanduhren herzustellen. Als Lutz eine Klarinette zu Gesicht bekam, faszinierte ihn dieses Instrument derart, dass er sich davon ein Modell anfertigte, ob in Form einer Zeichnung oder eines Modells, ist nicht überliefert. Für eine Musikgesellschaft in Thal SG baute Lutz in den 1780er-Jahren seine erste Klarinette. Um 1800 wurden in der Schweiz zahlreiche zivile Blasmusikvereine gegründet, die man auch als «türkische» Musik bezeichnete, weil sie typische Schlaginstrumente (Triangel, Tschinellen, grosse Trommel und Schellenbaum) aus der Militärmusik des osmanischen Reichs übernommen hatten und so ihren ganz charakteristischen Klang erhielten.
Ab der ersten Anfertigung eines Musikinstruments war Lutz dermassen gefragt, dass er später einen «Lehrbueb» (Bartholome Hohl) beschäftigen konnte, der nach dem Tod von Bartholome Lutz das Instrumentenbauen weiterbetrieb.
Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Hochschule der Künste Bern (HKB) konnten von Lutz 10 Klarinetten und weitere Instrumente identifiziert und vermessen werden. Einige wurden restauriert und können nun wieder angespielt werden. So auch die Klarinette, die im Museum Wolfhalden zu sehen ist. Von ihrem Klang kann man sich in der Ausstellung an einer Hörstation überzeugen, angespielt von Bernhard Röthlisberger, Soloklarinettist, Bern.
Arthur Sturzenegger, Verein Museum Wolfhalden
Machart
Klarinette in C, 6teilig. 5 Messingklappen, Buchsbaum, Hornringe. Das Mundstück ist möglicherweise original.
Besonderheit
Die Klarinette ist signiert: LUTZ A WOLFHALDEN
Standort
Museum Wolfhalden
September
Freundschaft - Amicizia - Ystävyys
«Unser Pestalozzidorf ist eine kleine internationale Kindergemeinschaft. Es liegt teilweise hinter den Appenzeller Hügeln versteckt oberhalb eines alten Dorfes, das Trogen heisst», schreiben die französischen Jungen Georges und Gérard in einem Beitrag der Zeitschrift Freundschaft. Mit ihr ging 1950 ein grosser Wunsch von Walter Robert Corti, dem Gründer des Kinderdorf Pestalozzi, in Erfüllung. Die Kinderdorf-Zeitschrift wurde bis 1992 von den Kindern selbst geschrieben, illustriert und gesetzt und war eine friedensfördernde Publikation. Insgesamt 125 Ausgaben gestaltete die Redaktion, der anfangs Kinder aus acht, später aus noch mehr Nationen angehörten. Sie ist ein Symbol der Solidarität nach einer Zeit des Krieges. Texte und Zeichnungen beschreiben den Alltag der Kinder und ihre Gedanken und spiegeln wider, was die damalige Generation beschäftigte.
Besonderheit
Das Kinderdorfmagazin «Freundschaft» wurde im April 2025 vom Exekutivrat der Weltkulturorganisation in das internationale UNESCO-Register «Memory of the World» aufgenommen.
Gemeinsam mit 16 weiteren internationalen Archiven ist die Kinderdorfzeitschrift Freundschaft, unter dem Titel «Zeichnungen und Schriften von Kindern und Jugendlichen in Kriegszeiten in Europa 1914–1950» Teil des UNSESCO-Weltdokumentenerbes.
September
«Das Grenadierzelt»
Das rund 250 Jahre alte Offizierszelt der Grenadierkompanie Trogen ist der Stolz des Schützenmuseums Trogen. Museumsleiter Gian Studer entdeckte es 2014 auf dem Estrich des Schützenhauses. Zunächst hielt er es für ein Vereinszelt, doch der hufeisenförmige Text auf dem Zelt besagt „Der löblichen Grenadier Compagnie IV Trogen geweiht“. Gian Studers Aufmerksamkeit war geweckt. Militärische Elite-Kompagnien, wie Grenadiere, wurden durch Offiziere mit ihrem Privatvermögen finanziert. Grenadiere waren speziell im Umgang mit der gefährlichen Handgranate geschult. Oft zog man sie zu wichtigen Repräsentationszwecken heran.
Das Zelt war ursprünglich Teil eines Paares, wie auf den Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi (1798–1855) zu sehen ist. Die Zelte waren für Repräsentations- oder Planungszwecken gedacht. Das noch heute vorhandene Mobiliar und Zubehör belegen dies: Mast, Seile, Zeltspitze, Seitenwände, Heringe und Spanner sowie Tische und Bänke, die dem runden Zelt angepasst sind. Im Kanton Appenzell Ausserrhoden wurden mit der neuen Militärorganisation von 1815 alle Grenadier- und Dragoner-Kompanien aufgelöst. Das Grenadierzelt wurde anschliessend auch für zivile Anlässe genutzt, etwa 1891 beim Kinderfest Lindenbühl oder 1910 beim 1. Kantonalen Schwingfest in Trogen. Auf Initiative von Gian Studer konnte das Zelt aufwendig restauriert werden. Man fertigte eine Kopie an, die ein- bis zweimal jährlich bei Veranstaltungen zum Einsatz kommt – so etwa am 24. August beim Stoss-Schiessen in Gais. Für die Kopie hat Gian Studer eigenhändig das Zubehör gedrechselt. Das Originalzelt kann im Schützenmuseum besichtigt werden. Die nächste Gelegenheit bietet sich am Internationalen Museumstag, Sonntag, 18. Mai, von 10 bis 17 Uhr. js
museen-im-appenzellerland.ch/museen/
museumtrogen.ch
Machart
Das Zelt ist aus Leinenstoff und aussen im barocken Stil bemalt, mit Wappen, Emblemen, Grenadieren und Kanonen. Die Motive sind überraschend gut erhalten.
Besonderheit
Das Zelt ist einzigartig in der Schweiz und hat einen hohen kulturhistorischen Wert.
Standort
Schützenmuseum Trogen
September
Die Aussortierten
David Aragai, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter, bringt eine unscheinbare Schachtel aus dem Depot des Museums Heiden. Darin befinden sich Dutzende handgefertigte, ca. 1,5 cm grosse Holzfigürchen in verschiedenen Posen, sowie Miniaturmöbel wie Tische, Stühle und Sonnenschirme. Die Figürchen sind vom Zahn der Zeit gezeichnet – abgebrochene Gliedmassen und kleine Risse zeugen von ihrer Geschichte. Die Figürchen gehören zu zwei Architekturmodellen des Schwimm- und Sonnenbads Heiden, welche vor einigen Jahren in zwei schweren, verschraubten Kisten im Museumsdepot entdeckt worden sind. Das Museum hat aus den zwei Modellen eins gemacht und dieses sorgfältig restauriert. Bei den Figürchen in der Schachtel handelt es sich um überzählige Teile. Das Schwimm- und Sonnenbad Heiden wurde 1932/33 im Stil des „Neuen Bauens“ erbaut. Der Architekt Beda Hefti orientierte sich an dessen Leitsatz, dass die Form der Funktion folgen solle. Die Badi Heiden ist einem Dampfschiff nachempfunden, die Bademeisterloge hat wie auf einer Schiffsbrücke den Blick frei über Wasser und Rasen. Die beschädigten Figürchen werden sorgsam wieder in die Schachtel gelegt und im Depot versorgt, während das Modell in der Dauerausstellung in neuem Glanz erstrahlt und zu Entdeckungen einlädt.
MACHART
Figürchen in Handarbeit aus Holz geschnitzt und sorgfältig bemalt. Hergestellt wohl 1932. Grösse zirka 1.5 cm
BESONDERHEIT
Die Figürchen gehören zu einem Architekturmodell des Schwimm- und Sonnenbads Heiden.
STANDORT
Museum Heiden
QUELLE
Georg Frey, Moritz Flury-Rova, Das Schwimm- und Sonnenbad Heiden, Bern 2005.
September
Schön wüescht
Die Tischmarionette, die Kurt Fröhlich vom Figurentheater-Museum präsentiert, ist etwa 80 Zentimeter gross und stellt einen wüsten Silvesterchlaus dar. Sie lag zusammen mit zwei anderen zwanzig Jahre im Fundus des Fährbetrieb-Figurentheaters. «Die drei waren Teil eines Stücks, das ‹Die Galeere am Säntis› hiess», erklärt Kurt Fröhlich. Der Strohsilvesterchlaus mit seinem Gesicht aus Holz wirkt freundlich, obwohl seine Zähne spitz aus dem Mund schauen, und tatsächlich spielte er eine hilfsbereite Rolle. Zusammen mit seinen Kollegen trug er die beiden verirrten Protagonisten vom Fählensee ins Tal. Dass es der nette Chlaus jedoch jemals in die Ausstellung des Figurentheater-Museums schafft, ist eher unwahrscheinlich. Das Figurentheater-Museum besitzt zwei Sammlungen mit 900 Figuren plus 100 aktuellen Ausstellungsobjekten. Im Lager von Kurt Fröhlichs Fährbetrieb-Figurentheater befinden sich nochmals rund 1000 weitere Puppen. Im Appenzeller Magazin sei dem Gesellen aus Stroh dennoch ein Sonderauftritt gegönnt. agm
| Technik | Tischmarionette aus Holz und Stroh gerfetigt, mit echten Tierzähnen |
| Besonderheit | Das Buch zum Stück «Die Galeere am Säntis» ist im Appenzeller Verlag erschienen, Redaktion (Autor) Kurt Fröhlich. |
| Standort | Figurentheater-Museum Herisau |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Dezember 2023 |
September
Henry Dunant im Weltall
Das Stoffabzeichen mit der Aufschrift «Henri Dunant – Starfleet international» hat das Museum Henry Dunant in Heiden erst kürzlich erstanden. «Es ist wohl das skurrilste Objekt in unserer Sammlung», sagt Co-Museumsleiterin Nadine Schneider. Wohl deshalb, weil der Stoffpatch eigentlich aus einer virtuellen Welt stammt. Es gehört zum «Spital-Raumschiff Henri Dunant» der Starfleet-Flotte. Starfleet international ist ein Fanportal, das sich um die Star Trek- beziehungsweise Raumschiff Enterprise-Saga dreht. Es funktioniert wie eine Social-Media-Plattform, die Fans können sich als Mitglied der Raumschiff-Crew einschreiben. «Der Stoffpatch ist ein klassischer Werbeartikel und zeigt, dass Henry Dunant noch heute einen Heldenstatus besitzt.» Henry Dunant wurde bereits zu Lebzeiten für sein humanitäres Schaffen verehrt, davon zeugen zahlreiche Objekte, die sich in der Sammlung des Museums befinden: Briefmarken, Medaillen, Silberlöffel, T-Shirts und viele Produkte tragen seinen Namen oder sein Konterfei. So auch seit Neuem ein Abzeichen für die Besatzung eines Raumschiffes. agm
| Technik | Stoff mit aufgestickten Zeichen und Delfinen |
| Besonderheit | Das Museum sucht weitere Dunant-Gadgets für die |
| Standort | Henry-Dunant-Museum Heiden |
| Quelle | Appenzeller Magazin, November 2023 |
September
Velofahren, einfach erklärt
Im Velomuseum Rehetobel legt François Cauderay ein kleines Büchlein auf den Tisch, das einen langen Titel trägt: «Velocipedes – Bicycles Tricycles – How To Make And How To Use Them». Auf dem über 150 Jahre alten Buch ist ein Tretkurbelrad abgebildet. «Es ist ein Zeugnis aus den Anfängen der Velogeschichte», erklärt der Kurator. Damals wusste man noch nicht, in welche Richtung es gehen würde, ob sich Dreiräder oder Zweiräder durchsetzen könnten. Das Buch enthält technische Erklärungen und Anleitungen, wie man das Velocipedes herstellt und fährt. Das Fahrgerät verfügte zwar bereits über Pedale, hatte aber noch keine Übersetzung. Verfasst und herausgegeben wurde das 175-seitige Buch 1869 von George Routledge & Sons in London. François Cauderay hat diese Trouvaille vor dreissig Jahren im bekannten Antiquariat Ribaux in St.Gallen erstanden. Wie das englischsprachige Büchlein nach St. Gallen kam, ist unbekannt. agm
| Technik | Papier und Karton, gebunden |
| Besonderheit | 1869 in London gedruckt |
| Standort | Velomuseum Rehetobel |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Oktober 2023 |
September
Schau mir in die Augen, Kleines
Das Kleinkind ist in Tüll und Spitzen gekleidet und sitzt auf dem Schoss seines Grossvaters. Dieser blickt ernst und würdig, während er die Hand seines Enkels liebevoll hält. «Ein ungewöhnliches Sujet für die damalige Zeit», sagt Thomas Fuchs, Kurator des Museums Herisau. Der zweijährige Michael Tobler, der als Modell diente, lebte 1789 zusammen mit der Mutter bei seinem Grossvater in Gais; der Kindsvater hatte seine Frau kurz nach der Geburt verlassen. «Ich hätte mir nie träumen lassen, jemals ein solches Bild aus dieser Zeit zu erhalten. Kleinkinder wurden Ende des 18. Jahrhunderts praktisch nie porträtiert», erläutert Thomas Fuchs. Das Ölbild gehört zu den neusten Zugängen des Museums Herisau. Es ist eine Schenkung von Nachfahren der Familie Tobler, der bis vor Kurzem die Villa Brühlhof in Herisau gehörte, die 2019 dem Neubau der Migros weichen musste. Das Bild wird ab Herbst im Museum Herisau ausgestellt. agm
| Technik | Öl auf Leinwand |
| Besonderheit | Bildnis eines Zweijährigen aus dem Jahr 1789 |
| Standort | Museum Herisau |
| Quelle | Appenzeller Magazin, September 2023 |
September
Aus die Maus
Die Schwerkraft wird den Mäusen zum Verhängnis, wenn sie in diese Falle geraten: Schnappt sie zu, werden die Eindringlinge vom schweren Holzklotz erschlagen. Mäuse konnten in vergangenen Zeiten, als es beispielsweise noch keine Kühlschränke gab, enorme Schäden in den Haushalten anrichten. Nicht verwunderlich, haben sie einen geradezu mörderischen Erfindungsgeist in den Menschen hervorgerufen. Die Doppel-Mausefalle aus dem Museum Appenzell ist Zeugnis davon. «Sie dürfte ungefähr Anfang des 20. Jahrhunderts von Hand hergestellt worden sein», sagt Kuratorin und Co-Museumsleiterin Martina Obrecht. Die Schwerkraftfalle stammt aus der Mausefallensammlung von Ursula und Walter Krüsi aus Gais. Sie umfasst ungefähr dreissig verschiedene Modelle, in denen Mäuse den Tod durch Erdrosselung, Ertrinken oder Erschiessen fanden. «Die Sammlung stand sehr lange in unserem Depot. Unsere aktuelle Ausstellung über Mäuse gab uns endlich Gelegenheit, sie wieder zeigen zu können», sagt Martina Obrecht. agm
| Material/Datierung | Holzkonstruktion mit Bindeschnur |
| Besonderheit | Eine Falle, zwei tote Mäuse. |
| Standort | |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe Juli 2023 |
September
Reizvolle Festspiel-Modelle
Die beiden Bühnenbildmodelle stellen ein Appenzeller Holzhaus und ein Stadthaus dar. Sie wurden von Walter Vogel (1899 –1994) Künstler, Grafiker und Bühnenbildgestalter, auf Karton gemalt. Die beiden Häuser gehören zu den Bühnenbildentwürfen des Festspiels «’s Appezellerland», das im Herbst 1937 in Teufen Premiere feierte. Die Muster stammen aus dem Archiv des Zeughauses Teufen, wo sich auch das originale Büchlein mit dem Text des Stücks befindet. Die Aufführung galt als Höhepunkt der fünften Kantonalen Appenzellischen Ausstellung für Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft, die ein voller Erfolg war: Allein am Tag des Festumzugs am Sonntag, 26. September 1937, kamen zwischen 50 000 und 60 000 Personen zum Zeughausplatz in Teufen. Die Neue Zürcher Zeitung beschrieb das Schauspiel als «äusserst originell». Besondere Beachtung fand auch das Bühnenbild. Die Appenzeller Zeitung titelte am Montag, 13. September 1937: «Ausgezeichnet waren die Szenerien von Walter Vogel.» agm
| Technik/Material | Öl auf Leinwand |
| Besonderheit | Das Zeughaus ist auch im Besitz eines originalen Modells des Aufführungszelts des Festspiels «’s Appezellerland». |
| Standort | Im Depot des Zeughaus Teufen |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Juni 2023 |
September
Ein Leben zwischen 14 Heftdeckeln
Ernst Kriemler (1902–1975) war ein einfacher Bürger von Speicher. Die Erinnerungen an sein bewegtes Leben hielt er in sieben Schulheften fest. Laut Beat Keller, Mitwirkender des Museums für Lebensgeschichten in Speicher, ist das etwas Besonderes: «Von der vorwiegend ärmlichen Bevölkerung sind nur wenige Aufzeichnungen erhalten, obwohl dieser Schicht einst die meisten Menschen angehörten.»
Die Ausstellung zu Ernst Kriemler ist bis 1. Oktober 2023 im Erdgeschoss der Altersresidenz Hof Speicher zu besichtigen. Spannend findet Beat Keller, was sich aus der Geschichte herauslesen lässt. Die Eltern – sie Näherin, er Arbeiter – hatten elf Kinder. Als junger Erwachsener fand der Ausserrhoder Anstellungen in Deutschland, wo nach dem Ersten Weltkrieg Arbeitskräftemangel herrschte. Zurück in der Schweiz der 1920er-Jahre bekam er die schwierige Wirtschaftslage zu spüren.
Ein tragischer Unfall, bei dem er sich die Speiseröhre verätzte, brachte Ernst Kriemler 1938 ins Zürcher Universitätsspital, wo er sich einer langwierigen Behandlung unterziehen musste. Ab den 1940er-Jahren begann er, seine Biografie aufzuschreiben. klu
| Technik/Material | Aufzeichnungen mit Kugelschreiber in sieben Schulheften |
| Besonderheit | Erinnerungen aus der Sicht eines einfachen Bürgers. |
| Standort | Museum für Lebensgeschichten Speicher |
| Quelle | Appenzeller Magazin, März 2023 |
September
Schlange am Ohr
«Gleich mehrere Symbole verbergen sich in der Ohreschuefle», sagt Walter Frick, Leiter Brauchtum des Brauchtumsmuseums Urnäsch. Der Schmuck wird seit dem 19. Jahrhundert zu besonderen Anlässen getragen. Die Schuefle bezeichnet im Grunde nur den vergoldeten Anhänger. Dieser ist der Schuefle, einer Schöpfkelle aus Holz, nachempfunden, mit der die Bauern und Sennen früher Rahm von der Milch trennten. Das Schöpfinstrument in Form eines Schmuckstücks weist auf den seit jeher hohen Stellenwert der Milchwirtschaft im gebirgigen Appenzellerland hin. Gehalten wird die Schuefle von einer sich in den Schwanz beissenden Schlange. «Sie ist ein starkes Symbol der Heilkraft und der Gesundheit», erklärt Walter Frick. Weil sich die Schlange selbst beisst, um den Ring zu schliessen, soll der Träger vor Schlangenbissen geschützt sein. Der Ring, allerdings ohne Schuefle, wird auch im Alltag getragen und symbolisiert den ewigen Kreislauf von Leben, Tod und Auferstehung. klu
| Technik/Material | In Form gepresste Schuefle, aus vergoldetem Silber, mit geschmiedeter oder gepresster «Schlange», Muster von Hand gestanzt |
| Besonderheit | Der traditionelle Ohrring hat mehrere symbolische Bedeutungen. |
| Standort | Appenzeller Brauchtumsmuseum Urnäsch |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Januar 2023 |
September
Tradition in Aluminium
Im Grubenmann-Museum in Teufen dreht sich alles um Baukultur. Skizzen und Modelle von Brücken und Kirchendächern der bekannten Baumeisterfamilie Grubenmann prägen die Ausstellung. Und in den Sonderausstellungen im unteren Stock wird die Brücke zur Moderne geschlagen.
Kurator Ulrich Vogt lädt regionale Künstler gern dazu ein, Bauwerke im Miniformat zu schaffen. Als das Grubenmann-Museum vor zehn Jahren seine Türen öffnete, spannte Künstler Thomas Stüssi eine eigenkonstruierte Brücke quer durch den Raum. Der Teufner baute sie aus Aluminiumträgern, die normalerweise bei Gipserarbeiten zum Einsatz kommen. Am Ende der Ausstellung zerschnitt er sein Konstrukt, und es entstanden daraus Einzelteile in Form von Bechüe. Den dreissig schönsten hat Thomas Stüssi ein Zettelchen mit seiner Unterschrift um den Hals gelegt. «Das ist gewissermassen die Schelle der Bechue», erklärt Ulrich Vogt. Die Bechüe sind mittlerweile Teil der dauerhaften Ausstellung. Der Kurator möchte, dass die Besucherinnen und Besucher des Museums die oft verborgene Schönheit in Bauwerken entdecken. klu
| Technik/Material | Kantenschutzprofile aus Alumonium zusammengenietet, mit Metallschere zerschnitten |
| Besonderheit | Aus einem zerteilten Kunstwerk von Thomas Stüssi entstandene Bechue |
| Standort | Grubenmann-Sammlung im Zeughaus Teufen |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Oktober 2022 |
September
Frauen für Männer
Mit dem Ausserrhoder Schiesswesen kennt sich Gian Studer, Archivar des Schützenmuseums Trogen, aus. Im Museum, das auf Anfrage öffnet und sich im Dachgeschoss des Hauses am Landsgemeindeplatz 5 befindet, sind historische Waffen, Fahnen und Artefakte von Schützenvereinen zu besichtigen. Der klassische Verein war bis weit ins letzte Jahrhundert hinein stark obrigkeitsorientiert. «Jeder Verein hatte einen Fähnrich, der an Anlässen stolz die Fahne trug», sagt Gian Studer. Zur herkömmlichen Fähnrichsausrüstung gehören neben Fahne oder Standarte auch eine Uniform mit Hut, Handschuhe und ein Tragegurt, in dessen Köcher die Fahnenstange ruht. Die Frauen des Infanterieschützenvereins Heiden fertigten 1920 einen aufwendig bestickten Fahnengurtüberzug an. Dieser weist auf die hohe Identifikation der Frauen mit dem Verein und dem Schiesswesen hin. Als erstes «Fräulein» nahm die 14-jährige Aloyssia Meyer 1832 aktiv am Eidgenössischen Schützenfest in Luzern teil. klu
Machart: Ledergurt mit gestickten Verzierungen auf Seide an der oberen Seite
Besonderheit: Handstickereien der Frauen des Infanterieschützenvereins Heiden
Standort: Schützenmuseum Trogen
Quelle: Appenzeller Magazin, Ausgabe September 2022
September
Das Mass aller flüssigen Dinge
«Wer innerhalb der Kantonsgrenze mit Wein handelte, musste sich nach der Füllmenge richten, die in diesen Messbecher hineinpasst», sagt Thomas Fuchs, Kurator des Museums Herisau. Ähnlich dem Ur-Kilo in Paris, das bis 2019 das Mass aller Gewichte war, legte das Hohlmass den Messstandard von Flüssigkeiten im Kanton Appenzell Ausserrhoden fest. Auf der Aussenseite sind die Jahreszahlen 1638, 1757, 1816, 1824 und 1830 eingezeichnet. Der Messbecher wurde wahrscheinlich 1638 angefertigt und bis ins Jahr 1830 vier Mal neu geeicht. Vor der ältesten Jahreszahl befindet sich das Kürzel «VR». Es steht für «Vsser Rhoden», die alte Schreibweise von Ausserrhoden, und ist die offizielle Beglaubigung durch die Regierung. In den Messbecher passen 5,8 Deziliter, ein halbes Mass. Bis 1876 wurden Flüssigkeiten im Bodenseeraum in Saum, Eimer, Mass und Schoppen gemessen. Ein Saum entsprach vier Eimern, 128 Mass und 512 Schoppen. Damit der Messstandard eingehalten wurde, kam es regelmässig zu Kontrollen. Doch aufgepasst: Der Ausserrhoder Messbecher fasste nicht dieselbe Menge Flüssigkeit wie der Standardbecher der St. Galler oder der Konstanzer. klu
| Technik | Bronze, geschmiedet |
| Besonderheit | Offizielles und über 200 Jahre verwendetes Standardmass des Kantons Appenzell Ausserrhoden |
| Standort | Museum Herisau |
| Quelle | Appenzeller Magazin, August 2022 |
September
Gold für Güte
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde von Appenzell Innerrhoden aus traditionsreiche Handstickerei in die Welt exportiert. Um diese Meisterwerke der Nadelkunst vor Fälschung zu schützen, brachten die Betriebe an den Stickereien vergoldete Schutzmarken an mit dem Prägedruck, der eine Handstickerin zeigt. Roland Scotti, Kurator des Kunstmuseums Appenzell, zeigt ein Werbeplakat, das Kaufinteressenten dazu aufforderte, nur Ware mit jenem Gütesiegel zu erwerben. Entworfen hat das Plakat – von dem es Ausführungen auf Deutsch und Englisch gibt – der in Appenzell wohnhafte Kunstmaler Carl August Liner (1871–1946) in den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts. «Inzwischen können sich aber selbst Alteingesessene nicht mehr an dieses Gütesiegel als höchste Wertschätzung für die Appenzeller Handstickerei erinnern», sagt Roland Scotti. Bemerkenswert sei, wie stark Kunsthandwerk und Industrie früher Hand in Hand gingen. «Carl August Liner erschuf in diesem Sinne nicht nur Kunst, sondern war gewissermassen auch als Designer tätig, bevor es diesen Beruf überhaupt gab.» klu
| Technik | Offset-Druck nach aquarellierter Zeichnung, mit Prägedrucken auf Metall |
| Besonderheit | Die abgebildete Handelsmarke wurde als Gütesiegel auf Appenzeller Handstickereien angebracht. |
| Standort | Kunstmuseum Appenzell |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Juli 2022 |
September
Eimer für alle
Das Feuer vom 7. September 1838 breitete sich vom Föhnsturm angetrieben in Windeseile aus. In Heiden brannte beinahe jedes Haus, und der Wind trieb die Flammen gegen Thal hinunter. Die bis nach Lindau sichtbare Feuersbrunst löste bei der dortigen Feuerwehr einen Einsatz aus. Beweis dafür ist ein lederner Feuerwehreimer, der im Museum Heiden zu sehen ist, beschriftet mit «Gmeind Lindau 1819». «Erstaunlicherweise hat die Zusammenarbeit unter den Feuerwehren über Landes- und Konfessionsgrenzen hinaus immer funktioniert», sagt Martin Engler, Vizepräsident des Museums Heiden. Über den Dorfbrand, der zum kompletten Wiederaufbau Heidens im «urbanen» neoklassizistischen Stil führte, weiss er Bescheid, denn Geschichte und Wohnkultur von Heiden sind Kernthemen des Museums. In der Ausstellung ist die Geschichte des 1838 zurückgelassenen Feuerwehreimers aus Lindau ein Thema. Solche Eimer aus Leder waren früher in jedem Haushalt Pflicht. Denn bei Feuer bildeten die Betroffenen Handreihen und reichten sich die Eimer vom Brunnen bis zur Brandstätte weiter. «Dass die Lindauer den Brand direkt in Heiden bekämpft haben, ist aber ein Irrglaube», sagt Museumsleiter Marcel Zünd. Die Männer aus Lindau waren weiter unten in Thal im Einsatz, wo das Feuer noch zu stoppen war. klu
| Technik | Mehrschichtig übereinandergelegtes Leder, mit Hanffaden vernäht, mennigrot bemalt, beschriftet, innen mit Teerschicht versiegelt und Griff aus Tierknochen. |
| Besonderheit | Geschenk der Stadt Lindau an das Museum Heiden. |
| Standort | Museum Heiden |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe Mai 2022 |
September
Trunk aus der Tasche
Fahrradfahren macht durstig – früher wie heute. Da ist ein zusammenfaltbarer Becher für den Hosensack die praktische Lösung. Das Velomuseum Rehetobel stellt neben einer Reihe von funktionstüchtigen Fahrrädern und Hochrädern aus den beiden vergangenen Jahrhunderten auch einen solchen Becher aus. Sein ehemaliger Besitzer war der Rehetobler Gemeindehauptmann und Textilfabrikant Ferdinand Tobler (1870–1956). Im Dorf galt er als aufgeschlossen, modern und innovativ, weiss François Cauderay, Präsident des Old Bicycle Fan Clubs in Rehetobel, der das Velomuseum betreibt. Gut möglich, dass der Sackbecher auch bei den Mitgliedern des damaligen Automobil- und Veloklubs Anklang fand. Man gönnte sich hin und wieder einen guten Tropfen und konnte den handlichen Becher während Spazierfahrten gebrauchen. Ursprünglich handelte es sich um ein raffiniertes Marketingprodukt aus den Vereinigten Staaten. An der Wende zum 20. Jahrhundert wollte ein amerikanischer Fabrikant mit originellen Accessoires und dem Export nach Europa neue Märkte erschliessen. Es funktionierte: Der kunstvoll verzierte Becher war in Versandhäusern, Herrenbekleidungsgeschäften und Velogeschäften mit guter Reputation erhältlich, auch in der Stadt St.Gallen. klu
| Technik | Maschinell hergestellter Becher aus vernickeltem Blech |
| Besonderheit | Das Modell von John Lines aus Connecticut (USA) erhielt 1897 den Patentschutz. Auf dem Deckel des Bechers ist |
| Standort | Velomuseum Rehetobel |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe April 2022 |
September
Kaffeedose aus der Kolonialzeit
Die Dose mit den farbenfrohen Zeichnungen steht als Gebrauchsgegenstand in der Bauernküche im Brauchtumsmuseum in Urnäsch. Beachtet wird sie kaum. «Dabei hat sie so viel zu erzählen, man muss nur genau hinschauen», sagt Kuratorin Ursula Karbacher. Die Gravur am unteren Dosenrand datiert die Kaffeedose auf das Jahr 1901, und die Sujets geben Einblick auf den Kolonialhandel der damaligen Zeit. Sie zeigen zwei Welten: auf der einen Seite unter der Überschrift «Kaffee-Ernte auf der Insel Java» exotisch gekleidete Pflücker auf einer Plantage und auf der anderen Seite unter «Im Appenzellerland» das Brauchtum mit Trachtenfrauen, Sennen, Kühen und Bläss. Eine Frau trägt die Innerrhoder Tracht. Die andere Frau dürfte eine Ausserrhoderin darstellen. «Obwohl es», so Ursula Karbacher, «erst seit 1926 offiziell eine Ausserrhoder Tracht gibt.» Laut Inschrift auf dem Deckel wurde die Dose von Tanner & Baumgartner, St. Gallen, in Umlauf gebracht. Damals war Kaffee zwar kostspielig, bei den Stickern und Heimarbeiterinnen im Appenzellerland aber sehr begehrt. Dazu die Kuratorin: «Mit Zucker angereicherter Kaffee wurde oft getrunken. Er brachte für die Arbeit Energie und hielt wach.» Als Folge des übermässigen Konsums erwähnt sie Mangelernährung. Und, wie eine Militärerhebung aus jener Zeit nachweislich zeigt, schlechte Zähne. jsp
| Technik | Blech, die Abbildungen sind aufgedruckt |
| Besonderheit | Die Szenen verbinden Appenzeller Brauchtum mit der Kaffeeernte auf Java. Am unteren Rand der Dose ist «Musterschutz 1901» eingraviert. Neben dem Appenzeller Bär sind die Wappen von St. Gallen und Thurgau abgebildet. |
| Standort | |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe März 2022 |
September
Tischmarionette Schlemihl
Er sei ein würdiger Herr, der Schlemihl, sagt der Herisauer Kurt Fröhlich. Einer der viel nachdenkt und grübelt – und immer eine Lösung findet. Der Figurenspieler muss es wissen, schliesslich hat er Schlemihl geschaffen und ihm in der Geschichte «Als Schlemihl nach Warschau ging» (sie stammt aus der Feder des jiddisch-amerikanischen Issac B. Singer) auch seine Stimme gegeben. Gemeinsam mit Sylvia Peter führte Fröhlichs Figurentheater «Fährbetrieb» die Geschichte aus der Welt des Ostjudentums rund 300 Mal auf. 2006 ging die Tischmarionette Schlemihl in den «Ruhestand» und lag in einer Kiste – bis sie im Figurentheater-Museum an der Oberdorfstrasse in Herisau einen öffentlichen Platz erhielt. Schlemihl ist Teil einer Inszenierung mit vier Haupt- und zehn Nebenfiguren sowie weiterem Gesindel. Ein aus Lärchenholz geschnitztes Dorf bildet die Kulisse. Um diese Szenerie möglichst echt gestalten zu können, sei er damals nach Polen, an den Ort des Geschehens gefahren, betont der 70-Jährige.
Das Figurentheater-Museum gibt es seit Herbst 2020. Damit hat sich Kurt Fröhlich seinen Traum erfüllt, Puppen und Figuren aus aller Welt zu zeigen. Im Oktober 2021 wurde das Museum um einen Theaterraum erweitert. jsp
| Material | Gesicht und Gliedmassen sind aus Lindenholz geschnitzt, Bart und Haare aus Lärchenholz. Rollladengurten im |
| Besonderheit | Schlemihl entstand 1992 und beschäftigte Kurt Fröhlich eineinhalb Jahre. Die Kleider hat Sylvia Peter genäht. |
| Standort | |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe Dezember 2021 |
September
Henry Dunants Pyrophon
Die humanitären Verdienste von Henry Dunant (1828–1910) sind bekannt. Dass sich der Mitbegründer es Roten Kreuzes aber auch für eine physikalische Errungenschaft in der Musik eingesetzt hat, hingegen kaum. Als in den 1870er-Jahren das Pyrophon entwickelt und gebaut wurde, war er an vorderster Front dabei. Das Pyrophon, auch Feuerorgel genannt, ist ein Instrument, das durch brennendes Leuchtgas in einer Reihe von Glaspfeifen unterschiedlicher Länge und Dicke sphärisch anmutende, melancholische Klänge hervorbringt. Entwickelt wurde es vom Physiker Frédéric Kastner. Dunant war mit dessen Mutter Leonie befreundet. Diese bat ihn, den Sohn bei der Vermarktung des Instruments zu unterstützen. Im Henry-Dunant-Museum in Heiden ist eine kleine Feuerorgel ausgestellt. Es ist eine Nachbildung, das Original steht im Science Museum in London, es trägt den Hinweis «Lent by H. Dunant Esq». Für Kaba Rössler, Co-Leiterin des Dunant-Museums, steht das Instrument für Dunants stetiges Bestreben, Visionen zu vermitteln. Und es erzählt eine von vielen Geschichten, die Dunants wechselvolles Leben geschrieben hat. jsp
| Material | Holzgehäuse, Glasröhren mit Gasbrennern und Metallzylindern; Klaviatur: acht weisse und fünf schwarze Tasten |
| Besonderheit | Nachbildung um das Jahr 2000. Das Original steht im Science Museum in London. |
| Standort | |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe November 2021 |
September
Silberner Schützenpokal
Seit 2001 gibt es das Schützenmuseum Trogen. Es befindet sich im Dachgeschoss des Hauses Nummer 5 am Landsgemeindeplatz. Der Museumsverein dokumentiert, archiviert und verwaltet hier Artefakte mit Bezug zum appenzellischen Schützenwesen. Zu den 85 Vereinsmitgliedern zählen Privatpersonen ebenso wie Sektionen. «Wir sammeln Waffen, Münzen, Insignien, Fahnen, Pokale, Becher, Uhren, Glocken, Bücher, Reglemente, Fotos und vieles mehr», sagt Gian Studer, Archivar und Kurator des Museums. Unter den rund 8000 Exponaten befinden sich mehrere Objekte, die den Namen Trouvaille verdienen. Gian Studer entscheidet sich exemplarisch für den silbernen Pokal, der am Eidgenössischen Schützenfest 1904 in St.Gallen an die Sektionen abgegeben wurde. Von der filigranen Silberschmiedekunst der damaligen Zeit ist Studer begeistert. Der Pokal sei, obwohl in einer Auflage von 250 Stück produziert, inzwischen sehr selten und zähle zum Schönsten und Prachtvollsten, was an Pokalen je für Schützenfeste hergestellt wurde. jsp
| Material/Technik | Pokal in Silber, innen vergoldet, verziert, 47,5 Zentimeter, 700 Gramm. Hergestellt von Jezler & Co, Schaffhausen. |
| Besonderheit | Deckel: Viktoria mit Lorbeerkranz und Fanfare. Becher: Schriftband und Mistelornamente, vier an Ketten hängende Wappenschilder, hoher Schaft mit vier Bärenköpfen. |
| Standort | |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe April 2021 |
September
Filigrane Gaiser Landschaft
«Mit dem ersten Schritt ins Museum steht man bereits mittendrin», sagt Gemeinderätin Doris Oetiker und weist auf den Teppich im Foyer, der das Dorf Gais aus der Vogelperspektive zeigt. Er ist neu – und er ist ein Unikat. Entworfen und hergestellt beim Teppichspezialisten Tisca in Bühler. Gern möchte sie ihn als Trouvaille hervorheben. Warum nicht? Schliesslich muss eine Trouvaille nicht zwingend alt sein. Auch Aussergewöhnliches, Kunstvolles oder Rares passen zu diesem Begriff. Und der Teppich ist etwas besonders. «Es gibt kaum einen Besucher, der den Ortsplan nicht genau unter die Lupe nimmt», freut sich Doris Oetiker.
Raritäten hat das Museum Gais viele. Zur Hauptsache Landschaftsgrafiken von Gais und Umgebung: Kupferstiche, Radierungen, Ölgemälde, Federaquarelle, Bleistiftzeichnungen, Lithografien. Darunter sind wertvolle Stiche von Johann Ulrich Fitzi (1798 – 1855). Mit dem kürzlich abgeschlossenen Umbau der Museumsräume im Haus am Dorfplatz 2 werden sie ins beste Licht gerückt. An den Wänden präsentiert wird rund die Hälfte der Sammlung, der Rest lagert griffbereit in Schubladen und Kästen. Im Erdgeschoss zeigen sechs Kunstschaffende in einer Sonderausstellung Installationen zum Thema «Ich mach mir ein Bild von Ort und Landschaft». jsp
| Material/Technik | Idee: Ueli Vogt/studio DAS, Design: studio DAS, in Zusammenarbeit mit Tisca AG, Bühler. Herstellung: Tisca AG, Bühler. Unikat. Gewoben in den Farben Mint, Petrol und Nachtblau. |
| Besonderheit | Der Teppich zeigt die Entwicklung des Dorfs Gais. Unterschiedliche Schattierungen zeigen die Bauphasen der Gebäude. |
| Standort | |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe September 2021 |
September
Appenzeller Gesichtsfarben
Das Museum für Lebensgeschichten in Speicher bietet keine Dauerausstellung mit «handfesten» Gegenständen. Vielmehr werden in befristeten Ausstellungen Lebensgeschichten von Persönlichkeiten dokumentiert und dazu Vorträge und Gespräche angeboten. «Erinnerungen versickern im Dunkel der Vergangenheit, wenn sie nur in Köpfen aufbewahrt sind. Sie müssen weitererzählt werden, auf diese Weise unsere Gegenwart bereichern und so den Weg in die Zukunft finden», beschreiben die Museumsmacher um Präsidentin Hannelore Schärer die Idee.
Die aktuelle Ausstellung ist dem Musiker, Zeichner und Sticker Ficht Tanner aus Trogen gewidmet. Eine Auswahl seiner grossflächigen, farbenfrohen Stickereien zieren die Wände, und in einer Broschüre hat Vorstandsmitglied Beat Keller das Leben des Trogener Künstlers in Wort und Bildern festgehalten. Nach seiner persönlichen Trouvaille in der Ausstellung befragt, überlegt Ficht Tanner lange. Schliesslich bleibt der 69-Jährige bei der Vitrine am Eingang stehen, in der einige seiner vielen Skizzen- und Gedankenbücher zu sehen sind. «Ja, darin verbirgt sich so manche Trouvaille», sagt er und greift zum Buch, das ein lachendes Gesicht zeigt. Es sei ein «Ahnenporträt». Er sehe seinen Vetter Hannes darin, von der Arbeit gezeichnet und doch gesellig – ein Urappenzeller eben. jsp
| Datierung/Technik | Mit Wasserfarben gemalt, entstanden 1992. |
| Besonderheit | Eine Illustration von Tausenden, die Ficht Tanner in seinen Notizbüchern festgehalten hat. Und eine der wenigen, die einen Titel tragen. |
| Standort | |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe Oktober 2021 |
September
Im Puppenparadies
Puppen, wohin das Auge reicht: Im appenzellischen Wald befindet sich die private Spielzeugsammlung Waldfee. Angefangen hat es mit Souvenirs, die Museumsbesitzerin Gabriele Müller Gloor von ihren Reisen mitbrachte. «Puppen sagen viel über ein Volk aus, denn sie widerspiegeln in den Materialien und Macharten seine Traditionen und Eigenheiten», begründet die 66-Jährige den Ursprung ihrer Sammlung. Heute beherbergt das Museum rund 15 000 Exponate. Der Eintritt ist frei, finanziert wird der Betrieb durch Spenden und den kleinen Verkaufsladen im Untergeschoss.
Es fällt nicht leicht, sich für ein Exponat aus der Sammlung zu entscheiden. Jedes der Stücke hat seine eigene Geschichte. Letztlich wählt Gabriele Müller Gloor drei Appenzeller Trachtenpuppen und liefert dazu eine spannende Entstehungsgeschichte. Der Gaiser Zahnarzt Karl Glunk bemerkte, dass man aus Zahnprothesenmasse auch andere Gegenstände formen kann und begann mit der Herstellung von Puppen. Für das Nähen der Schweizer Trachten musste seine Frau Anna Glunk bald einheimische Frauen zu Hilfe holen. Die berühmte Schweizer Puppenmacherin Sasha Morgenthaler brachte vermehrt Korrekturen bei den Gesichtern an, damit die Puppen in ihren Augen tauglich für den Verkauf im Schweizer Heimatwerk waren. cli
| Material/Dateriung | Gliedmassen und Kopf aus Kunststoff gegossen, Körper aus Draht und Stoff. Handarbeit. Hergestellt in Gais. |
| Besonderheit | Die Figuren sind aus Zahnprothesenmasse hergestellt |
| Standort | Spielzeugsammlung Waldfee, Wald AR |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe August 2021 |
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September
Zimmermanns Hackbrett
Nur eine Bürotür trennt Monika Steingruber vom Hackbrett ihres Grossvaters Emil Zimmermann. Seit vier Jahren ist sie Geschäftsführerin des Brauchtumsmuseums Urnäsch. Sie erinnert sich gut, wie ihr Grossvater (1910–1993) in seinem «Hemetli» in der Schwizeren sass und sein Hackbrett stimmte. Auch daran, wie er das Instrument schulterte, über das steile Wiesenbord lief, unterwegs zu einem Auftritt mit der Streichmusik Alder. Wie bekannt und weit gereist ihr Grossvater war, wurde Monika Steingruber erst als Erwachsene bewusst. «Für mich war er der kleine, pfiffige, immer bescheidene Mann mit den Holzböden an den Füssen.» Mit dem Hackbrett und den «Aldere» reiste Emil Zimmermann 1935 per Schiff nach London. Da hielt er bei einem Konzert vor der königlichen Familie ein Mädchen an der Hand, die heutige Queen Elisabeth II. 1949 spielte er in Venedig auf dem Markusplatz vor 20 000 Menschen. Sein Hackbrett steht als Familienleihgabe im Museum. kni
| Datierung/Technik | Holz, Saiten. Angefertigt wurde es um 1900 von Hackbrettbauer und Briefträger Jakob Frischknecht. |
| Besonderheit | Im Deckel von Emil Zimmermanns Hackbrett hinterliessen prominente Zeitgenossen ihre Unterschrift. |
| Standort | |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe Februar 2021 |
September
Ansichtskartenautomat
Birgit Langenegger, Co-Leiterin und Kuratorin des Museums Appenzell, spricht von einem faszinierenden Exponat. «Auch wenn der Ansichtskartenautomat nicht im musealen Sinn kostbar ist, passt er hervorragend in unsere Objektsammlung zur Kulturgeschichte von Appenzell Innerrhoden. Er zeigt, welche Bedeutung der Tourismus hierzulande bereits anfangs des 20. Jahrhunderts hatte.» Ansichtskarten waren damals populär, es gab sie in Hülle und Fülle. «Und Bildkarten mit Kurznachrichten zu versenden, war das, was heute SMS und WhatsApp sind», sagt die Volkskundlerin. In den Besitz des Kartenautomaten, der bis in die 1960er-Jahre im Berggasthaus Plattenbödeli in Betrieb war, kam das Museum 1999 für die Sonderausstellung «Vom Fremden zum Gast. 100 Jahre Kur- und Verkehrsverein Appenzell». Der Mechanismus des Automaten ist simpel: Der Einwurf einer 20-Rappen-Münze aktiviert das System, mit einer Kurbel bewegt man das zahnradbetriebene Band bis die gewünschte Karte so platziert ist, dass durch Drehen der zweiten Kurbel ein Saugnapf auf die Karte gedrückt werden kann, der sie dann ins Auswurffach befördert. jsp
| Material/Datierung | Blech und Glas. Hersteller: Automatenbau Foto Heim, Dornbirn, Österreich. Baujahr: unbekannt (vermutlich um 1930). Grösse: 90 x 28 x 26 Zentimeter. |
| Besonderheit | Der Automat wird mechanisch betrieben, die Karten zeigen Berge und Seen im Alpstein. |
| Standort | |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe Mai 2021 |
September
Herd mit Käsekessi
Die 400-jährige Alphütte, die einst unterhalb des Hohen Kastens stand, ist das Herzstück der Ausstellung des Volkskunde-Museums Stein. «Das Museum wurde 1987 quasi darum herumgebaut», scherzt Sandra Nater, Geschäftsführerin des Appenzeller Volkskunde-Museums Stein. Und mitten in dieser Alphütte thront ein schwarzer Holzherd mit Kupferkäsekessi. Sandra Nater verbindet mit dieser Trouvaille Erinnerungen an ihre Kindheit in Bütschwil: Ausflüge ins obere Toggenburg führten nach Starkenbach, von dort mit der Kistenbahn auf die Alp Selun, wo die Familie eine schlicht eingerichtete Alphütte besuchte. Die Natur, das einfache Leben und das urchige Werkzeug, mit dem die Menschen damals arbeiteten, faszinieren Sandra Nater bis heute. Sie ist deshalb stolz, dass Besucherinnen und Besucher im Volkskunde-Museum ursprüngliches Käsehandwerk mit originalem Gerät erleben können, unter Einhaltung heute geltender Hygienevorschriften. Und, ganz Geschäftsführerin, sagt sie: «Dieses Angebot ist unser Verkaufsschlager.»
| Datierung/Technik | 200-jährig, Holzherd aus Gusseisen, Kessi aus Kupfer |
| Besonderheit | Besucher und Besucherinnen können auf dem alten Herd selbst Käse herstellen, die Milch rühren und die Molke probieren. Nach acht Wochen werden die Mutschlis per Post nach Hause gesandt. |
| Standort | |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe Juli 2020 |
September
Glücksbringer
Das hübsche Bonbondöschen entdeckte François Cauderay bei einer Hausräumung in Teufen in der Sattel-Werkzeugtasche eines rund hundertjährigen Damenvelos der Marke Peugeot. Darin fand der Gründer des Velomuseums Rehetobel einen Zettel mit dem unleserlichen Namen der Fahrradbesitzerin sowie einen Notgroschen ungarisch-deutscher Währung aus dem Jahr 1916. Wie viel diese Ein-Krone-Note zur damaligen Zeit wert war, weiss der Finder nicht. Aber das Blechdöschen gefiel ihm so gut, dass er es fortan als Glücksbringer bei sich trug und ebenfalls etwas Notgeld darin versorgte. Tatsächlich musste François Cauderay seine klein zusammengefaltete Fünfzigernote einmal zücken, als er im Restaurant beim Bezahlen realisierte, dass er das Portemonnaie zu Hause vergessen hat.
Wie das Damenfahrrad, befindet sich nun auch der kleine Glücksbringer im Velomuseum. Das Pastillendöschen mit dem Motiv eines, wie damals üblich, uniformiert stilvoll gekleideten Velofahrers liegt jetzt zusammen mit anderen Fundstücken in einer Glasvitrine.
| Datierung/Technik | Etwa hundertjährig, aus Blech |
| Besonderheit | Auf der Rückseite des Döschens finden sich Angaben zum ursprünglichen Inhalt: Pfeffermünz-Pastillen mit echt englischem Mitcham-Pfeffermünzöl, Marke Rooschüz, Bern. |
| Standort | Vitrine Velomuseum Rehetobel |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe Okt. 2020 |
September
Hans Josephsohn im Atelier
Roland Scotti, Kurator im Kunstmuseum Appenzell, glaubt nicht an Zufälle. Für ihn ist klar: Der Bestimmungsort für dieses Relief von Hans Josephsohn ist das Kunstmuseum. Vor etwa einem Jahr meldete die Witwe von Kunstmäzen Heinrich Gebert, sie habe beim Wühlen in Unterlagen ein vermutlich wichtiges Relief von Hans Josephsohn gefunden. Nachforschungen ergaben, dass das Werk, Dauerleihvertrag inklusiv, im Künstlerhaus in Boswil ausgestellt ist. Ein paar Monate und ein paar Expertenmeinungen später einigte man sich, dass die Skulptur nach Appenzell zügeln darf. «Eine Trouvaille im wahrsten Sinn also», sagt Roland Scotti. Eine, die von einem Künstler erzählt, der sein Tun reflektiert. Das Relief zeigt Josephsohn im Atelier, wie er modelliert und dem weiblichen Modell dabei den Rücken zugewandt hat. Roland Scotti erklärt: «Während der Bildhauer ganz in seiner Arbeit versinkt, ist vorne in der Mitte sein zweites Ich dargestellt, das mit einem begehrenden Blick auf sein Modell schaut.» kni
| Titel/Datierung/Technik | Hans Josephsohn, Ohne Titel, 1973, Relief, Messing |
| Besonderheit | Das Relief veranschaulicht den inneren Kreativitätskonflikt des Künstlers Hans Josephsohn. |
| Standort | Foyer Kunstmuseum Appenzell |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe Nov. 2020 |
September
Zuckerstock
Ernst Züst, Präsident des Museums Wolfhalden, erinnert sich noch gut an die Zuckerstöcke, die in seiner Kindheit in nahezu jedem Haushalt standen. Sie waren, da Zucker in gepresster Form besser und länger haltbar ist, in den Kriegsjahren Teil des Notvorrats. «Wenn die Mutter Beeren zu Konfitüre verarbeitete, kratzte sie die benötigte Zuckermenge einfach vom Stöckli», sagt der 89-Jährige. Ums Elternhaus wuchsen viele Johannisbeeren. «Elend saure», wie er betont. Sie für Konfi zu verwerten, kam nicht in Frage. «Das brauchte zu viel Zucker – und Zucker war, da rationiert, Mangelware.» Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand der Zuckerstock von der Bildfläche. Kristallzucker war beim Backen und Kochen einfacher zu handhaben. Der Zuckerstock im Museum Wolfhalden stammt von Hedwig Eggenberger. Die Hauswirtschaftslehrerin hat diesen und weitere historische Gegenstände des täglichen Gebrauchs dem Museum vor vierzig Jahren zur Eröffnung geschenkt. Wer heute von einem Zuckerstock spricht, meint damit feuerspeiende Vulkane. Gut möglich, dass der originale Zuckerstock Namensgeber dieser Feuerwerkskörper ist.
| Datierung/Technik | Zirka 80-jährig, 50 Zentimeter hoch, Kegel aus gepresstem Zucker, mit Papier umwickelt und mit Schnur gebunden. |
| Besonderheit | Die Verpackung ist stark vergilbt. Auf der runden Etikette finden sich Angaben zur Herstellerfirma: Raffinerie de Skrivany, Tschechoslowakei. |
| Standort | Historische Küche, Museum Wolfhalden |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe Sept. 2020 |
September
Walzenhauser Mineral
Schon bevor der Erste Weltkrieg ausbrach, badeten die Touristen im Kurhaus Walzenhausen im Heilwasser vom Schönenbühl. 1918 beschloss Kurhaus-Hauptaktionär August Sturzenegger, einen Drittel des Heilwassers abzuzapfen und seine Stickerei in eine Mineralwasser-Abfüllfabrik umzuwandeln. Das Walzenhauser Mineralwasser sei schnell über die Region hinaus beliebt geworden, sagt Thomas Fuchs, Kurator im Museum Herisau. Für ihn erzählen Plakat und Glasflasche exemplarisch, wie schon damals erfolgreich mit Ortsnamen für Produkte geworben wurde. Amüsiert liest er den Slogan auf der Flasche vor: «Walzehuser natürliches, ärztlich empfohlenes Mineralwasser mit Kohlensäure gesättigt, hilft bei Blasen-, Gicht- und Nierenleiden, fördert die Verdauung, ist durststillend, belebend, erfrischend und anregend.» Weniger gesund war nach gut fünfzig Betriebsjahren die Firma: 1978 wurde der Konkurs eröffnet. kni
| Datierung/Technik | Plakat: Farb-Lithografie, 1948, Entwurf von Werbedienst H/W (H. Wissmer), St. Gallen. Flasche: Schweizerische Glasindustrie Siegwart & Co. AG, Hergiswil (1900 bis 1975) |
| Besonderheit | Das Plakat hat Thomas Fuchs auf einer Auktion ersteigert, die Bügelflasche auf einer Internetplattform. |
| Standort | Sammlung Museum Herisau |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe Jan. 2021 |
September
Eingeholzte Gummistiefel
«Material ist grundsätzlich unschuldig», sagt Ulrich Vogt, Kurator im Zeughaus Teufen. Er liebt das Spiel mit Imitationen, die beim Betrachter für Irritationen sorgen. Ein witziges Beispiel dafür sind die eingeholzten Gummistiefel des Künstlerkollektivs Brühwiler, Lampart, Palla und Rohner. Das Alltagsobjekt bringt auf Museumsführungen jeden Zimmermann zum Schmunzeln. Erstmals gezeigt wurden die Stiefel im Rahmen der Hermann-Blumer-Ausstellung 2013 – 2014. Zusammen mit weiteren eingeholzten Gegenständen habe sich der Nutzen des Werkstoffs Holz humorvoll hinterfragen lassen, erklärt Ulrich Vogt. «Auf die Gummistiefel reagierten viele Leute mit Lachen. Erst beim Betrachten des eingeholzten Subarus auf dem Parkplatz hörte für manche der Spass auf.» Der Kurator mag es, wenn Werke zum Nachdenken anregen. Kunst gelte als elitär, und das dürfe sie auch sein: «Denn elitär bedeutet abheben. Sie lädt uns ein, über den Alltag hinauszudenken.»
| Technik | Mit Folie in Holzoptik überzogene Gummistiefel |
| Besonderheit | Welches Material eignet sich für welchen Zweck? Die unperfekte Machart der Holz-Gummistiefel ist Absicht. |
| Standort | Sammlung Zeughaus Teufen |
| Quelle | Appenzeller Magazin, Ausgabe Okt. 2020 |
